Jurtencamp Mongolei Uraan Uul

Ein Abenteuer in der Mongolei: 10 Tipps für Angsthasen.

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Jurten in der Mongolei, hinten dunkelgrauer Himmel mit einem Regenbogen

Sollte man eine Mongolei Reise buchen wenn man, wie ich,  eher ein Angsthase ist? Darauf antworte ich mit einem ganz klaren: JEIN.

Die Mongolei ist ein einzigartiges Land mit viele Extremen… Das ist interessant, beeindruckend und absolut die Reise wert. Auch als Angsthase kann man so eine Reise sehr geniessen. Aber ein paar Sachen müssen einem vorher klar sein, und dann kann man entscheiden ob man meint das man mit diesen Eigenarten zurecht kommt.

Ich bin kein Abenteurer. Ich bin nicht mal ein Camper. Das sind zwei Tatsachen die einem eine Reise in die Mongolei nicht leichter machen. Aber ich habe eine Menge gelernt über mich und wie ich reise(n möchte). Deswegen erstmal 10 Tipps für Nicht-Abenteurer, was man bedenken sollte bevor man eine Reise in der Mongolei plant.

Bergen in der Mongolei, eine Wiese mit lilafarbene Disteln.

10 Tipps was einem bei einer Mongolei Reise erwartet

  1. Die Mongolei ist ein riesiges Land. Da es kaum befestigte Straßen gibt dauert es lange von A nach B zu kommen. Außerdem sind die Fahrten im Gelände teilweise gefährlich wenn man sich nicht auskennt (noch ganz davon ab das es schwer ist den Weg zu finden…weil es keine gibt..). Ich würde deswegen auf jeden Fall eine geführte Reise buchen, egal ob privat oder in einer Gruppe. Wir haben damals die grosse Mongoleireise hier gebucht.
  2. Die Fahrten über Stock und Stein (und das wird ein Großteil der Route der Fall sein) sind anstrengend. Die kleinen russischen Busse die meistens benutzt werden sind nicht besonders komfortabel. Gurte gibt es nicht, und das heisst dass man stundenlang durchgeschüttelt wird. Und wenn ich sage durchgeschüttelt, dann meine ich das ernst… Ich hatte mich nach zwei Tagen daran gewöhnt und das hieß dass ich nicht mehr über den ganzen Rücksitz hin und her flog. Da war es nicht mehr ganz so unbequem. Aber die paar Tage wo wir wirklich 6 Stunden auf so einer Piste waren, waren richtig körperlich anstrengend. Das habe ich im Vorfeld unterschätzt. 
  3. Wir haben, abgesehen von Ulaanbaatar, in Jurtencamps übernachtet. Die waren vom Komfort, Qualität und Sauberkeit sehr unterschiedlich. Es gab sehr schöne Jurten mit vernünftigen und sauberen Sanitäranlagen. Es gab aber auch welche wo die Jurte nach nassem Hund roch (weil die ‘Wände’ mit Tierfell isoliert wurden), es feucht und nicht sehr sauber war. Und mein persönliches Highlight: ein Schloss auf dem Klo oder der Duschkabine aber auf der Aussenseite von der Tür… Ich habe bis heute nicht verstanden was das für einen Sinn haben soll… Oder halt eben gar kein Schloss. Aber auch daran gewöhnt man sich ein bisschen. Ich habe trotzdem nie erlebt das die Tür aufgerissen wurde… Im Gegensatz zur Tür in unsere Jurte…aber darüber mehr in einen nächsten Blogbeitrag…
  4. Plumpsklos gab es unterwegs öfter mal, und sogar bei einem Jurtencamp. Die Plumpsklos unterwegs waren oft sehr dreckig und ich war mir meistens nicht sicher ob der Holzboden mein Gewicht überhaupt aushalten würde… Ich habe es aber fast immer vermeiden können ein Plumpsklo zu benutzen, die Mongolen selber gehen oft auch einfach lieber auf einer Wiese… Das Plumpsklo im Camp war erstaunlicherweise immer sehr sauber und hatte eine normalen Toilettenschüssel. Das mit der Wiese muss man sich aber auch überlegen weil oft kilometerweit nur Gras ist, hinter irgendeinem Baum hocken wird wahrscheinlich nicht möglich sein.
  5. Für Vegetarier ist das Land nicht ganz das richtige. Wir hatten eine Vegetarierin in der Gruppe… Oft hat sie einfach das was wir bekommen haben auch bekommen nur ohne das Fleisch. Wenn Sie Glück hatte hat sie ein bisschen mehr Gemüse bekommen oder zusätzlich ein Ei. Das Essen sonst war auch pro Jurtencamp sehr verschieden in der Qualität. Wir hatten richtig gute Mahlzeiten, auch welche die sehr mäßig waren. Aber es gab fast immer viel Fleisch. Öfter auch Hammelfleisch…das muß man mögen…meins war es wirklich nicht. Nach drei Wochen Mongolei hatte ich genug Hammel für mein ganzes Leben gegessen. Das Essen war für meinen Darm auch sehr gewöhnungsbedürftig… Und man muss essen was es gibt, man kann nicht wählen
  6. Vieh gibt es in rauen Mengen und überall. Sie laufen auch frei herum. Angst vor Tieren sollte man also nicht haben. Es kann durchaus sein das wenn man morgens die Jurten Tür aufmacht, ein Yak,  Pferd, Ziege, usw. davor steht. Ich fand es großartig, aber wenn man nicht so ein Tierfreund ist ist die Mongolei vielleicht nicht das Richtige. 
  7. Einkaufen: Man sollte alles dabei haben was man braucht. Unterwegs gibt es nicht sehr viele Möglichkeiten was zu kaufen. Wenn man in einem kleinen Geschäft was kaufen kann gibt es alles was man für den Alltag so braucht (Getränke, Süßigkeiten, manchmal Obst, Hygieneartikel usw.), aber es kann ein paar Tage dauern bis es wieder irgendwo einen Laden gibt.
  8. Wenn einem Kaffee wichtig ist…am besten selber Kaffee (löslichen oder Pulver) mitbringen. Die Mongolei ist ein Teeland. Wenn man Glück hat gibt es zum Frühstück löslichen Kaffee, aber längst nicht immer. 
  9. Man muß eine Zeitplanung einfach loslassen in der Mongolei. Es kommt wie es kommt…oder auch nicht. Aufregen nützt nichts. Es funktioniert da einfach anders. Wenn man sich um 12 Uhr verabredet kann es sein das derjenige eine Stunde später kommt, das ist ganz normal. Deswegen wurden geplante Ausflüge öfter mal nach hinten verlegt oder umgeplant. Das kann nerven, ändert aber nichts. Zeit um die wunderbare Landschaft zu bestaunen hat man also immer…
  10. Was einen aber auch erwartet sind großartige, unverwechselbare Erfahrungen. Trotz dieser Punkte mit denen ich unterwegs teilweise so meine Schwierigkeiten hatte, hat sich die Reise für mich absolut gelohnt. Das positive, spannende, überraschende, überwältigende, interessante, beeindruckende überwog ohne Zweifel.  Man muß sich im klaren darüber sein das es eine anstrengende Reise ist. Nicht nur durch so viele neue Eindrücke jeden Tag. Sondern auch weil eine Mongolei Reise die teuerste Art ist unbequem zu reisen 😉 Aber man wird Eindrücke und Erinnerungen sammeln die bleiben…

Mongolei: Reich und Arm zugleich

Da bei solche Abenteuer eine gute Vorbereitung wichtig ist, erstmal ein paar allgemeine Fakten und Tatsachen zum Land. 

Das was ich als erstes mit der Mongolei verbunden habe war: Unglaubliche Weite… Und das stimmt auch. Die Mongolei ist fast 4,5 mal so groß wie Deutschland. Es leben aber nur knapp über drei Millionen Menschen da, mehr als 40% davon in der Hauptstadt Ulaanbaatar. Die weiten Flächen sind  vor allem für die Nomadenfamilien mit ihrem Vieh bestimmt. Und davon gibt es viel… Ich habe in den ersten zwei Tagen in der Mongolei mehr Ziegen gesehen als in meinem ganzen Leben davor. Mittlerweile ist das sogar zum Problem geworden. Die Regierung unterstützt die Ziegenzucht sehr, wegen dem Kaschmir der aus der Bauchwolle von der Ziege gemacht wird. Die Mongolei produziert  30% vom weltweit produzierten Kaschmir. Das Problem ist leider dass, so riesig das Land ist, mittlerweile viel zu viel Vieh da ist. Nämlich fast doppelt soviel als der Boden ernähren könnte.

Ziegenherde am Chuwsgulsee in der Mongolei, die Sonne scheint

Ackerland gibt es fast gar nicht. Mittlerweile sieht man hin und wieder Versuche selber Gemüse anzubauen. Die Klima- und Bodenbedingungen sind aber schwierig. Was ich aber sehr lustig fand: Es funktioniert genau andersrum wie bei uns… Die Äcker haben meistens keinen Zaun, nur da wo Vieh ist. In der Mongolei läuft das Vieh frei rum, und die kleinen Ackerflächen die es gibt sind eingezäunt…

Das Klima: extrem

 Das Klima zeichnet sich aus durch extreme Temperaturunterschiede.Zwischen Sommer und Winter ist im Schnitt ein Unterschied von 45C. Sogar in Ulaanbaatar kann es in strengen Winternächten -35C werden. Auch im Sommer kann es nachts frisch werden. Das Zwiebelprinzip schadet in der Mongolei nicht. Im Sommer kann es auch heftig regnen, das haben wir erstaunlicherweise kaum erlebt. Das Land liegt insgesamt relativ hoch, nur 15% liegt unter 1000m. Da aber das ganze Land so hoch liegt merkt man es kaum, es sei denn man ist gerade wirklich im Gebirge (wo es dann gerne auch 3000m oder 4000m sein kann).

Korruption ist ein Problem

Die Mongolei ist kein reiches Land..in gewisser Weise. Ein Drittel der Bevölkerung lebt unter der Armutsgrenze, trotz großem Wirtschaftswachstum in den letzten Jahren. Das hat teilweise mit der Korruption zu tun mit denen das Land sehr kämpft. Das Geld bleibt dadurch in einer bestimmten Schicht der Bevölkerung hängen. Was die Mongolei eigentlich reich machen sollte, nämlich Unmengen an Rohstoffen, verschärft eher das Korruptionsproblem. Das Land selber hat nicht das Geld zu investieren in Technik und Infrastruktur die einen Abbau von den Rohstoffen möglich machen würde. Deswegen werden diese Rechte an Investoren aus dem Ausland verkauft. Da ist es nicht schwer sich auszumalen wer da den größten Gewinn machen wird… 

Zwischen Buddhismus und Schamanismus

Die Mehrheit der Mongolen sind Buddhisten, obwohl auch ein Teil immer noch dem Schamanismus anhängt. Oft werden beide Richtungen einfach kombiniert. Während des Kommunismus in der Mongolei war der Buddhismus verboten. Klöster wurden zerstört und Mönche eingesperrt oder umgebracht. Wenn man in Kloster Ongi ist, wo auf dem Höhepunkt 1000 Mönche wohnten, spürt man diese Geschichte. Sie sind zwar dabei das Kloster wieder aufzubauen, aber das Gelände mit den Resten von den alten Gebäuden fühlt sich sehr verlassen an. 

Reste vom Kloster Ongi in der Mongolei. Man sieht hauptsächlich eine grüne Rasenfläche. Im Hintergrund Hügel.

Kehlkopfgesang, eine besondere Tradition

Was mich als Sängerin natürlich auch sehr interessiert hat ist der mongolische Kehlkopfgesang. Wir haben während der Reise nicht nur eine tolle Theatervorstellung gesehen wo wir das live hören konnten. Sondern auch im Hotel in Ulaanbaatar im Fernsehen immer wieder Musiksendungen geguckt wo mongolische Sänger und Sängerinnen in traditioneller Kleidung irgendwo in der Steppe traditionelle Lieder gesungen haben. Ich finde es nicht direkt schön, aber beeindruckend ist es auf jeden Fall und es wirkt sehr meditativ.

Mehr als nur Transsibirische Eisenbahnstrecke

Natur in der Mongolei. Grüne Hügel mit ein paar Bäume und sehr dunkelgrauer Himmel und Wolken.

Viele kennen die Mongolei wahrscheinlich durch ihre Position zwischen Russland und China und als Teil der Transsibirischen Eisenbahnstrecke. Aber eine Reise nur durch die Mongolei lohnt sich trotzdem, weil man sonst wirklich nur sehr wenig vom Land sieht… Es gibt in der Mongolei eine Menge zu entdecken. In den nächsten Blogposts nehme ich euch mit auf der 3-wöchigen Reise die wir 2016 durch die Mongolei gemacht haben:

Auch für Angsthasen!


Mongolei Reise Übersicht

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